14. Juli 2026

WordPress ist tot
Warum das meistgenutzte CMS der Welt sein eigenes Erbe verwaltet
WordPress hat das Web demokratisiert. Wer 2010 eine Webseite wollte, kam an dem System kaum vorbei: kostenlos, erweiterbar, mit einem Ökosystem aus Themes und Plugins für jeden Zweck. Millionen Seiten sind so entstanden, viele davon von Menschen, die nie eine Zeile Code geschrieben haben. Das war ein echter Fortschritt, und man sollte ihn nicht kleinreden.
Das Ökosystem ist zum Ballast geworden
Genau dieses Ökosystem ist heute das Problem. Ein durchschnittlicher WordPress-Auftritt schleppt Dutzende Plugins mit: jedes ein eigenes Sicherheitsrisiko, jedes ein eigener Update-Zyklus, jedes von einem anderen Team gepflegt — oder eben irgendwann nicht mehr gepflegt. Ein einziges verwaistes Plugin genügt als offene Tür.
Dazu kommt die Verkettung. Ein Plugin verlangt eine bestimmte PHP-Version, das nächste verträgt sie nicht. Ein Theme-Update verschiebt das Layout, ein Sicherheits-Update legt das Kontaktformular still. Die Pflege kostet am Ende mehr Zeit als der Inhalt.
Kostenlos ist nur die Lizenz
Der Betrieb ist es nicht. Hosting, Backups, ein Caching-Plugin, ein Sicherheits-Plugin, ein Formular-Plugin — und dazu die Stunden, die jemand jeden Monat mit Updates verbringt. Plus die Viertelstunde Panik, wenn nach einem dieser Updates die Startseite weiß bleibt.
Was stattdessen passiert
Moderne Webseiten werden zunehmend aus Bausteinen gebaut, die beim Veröffentlichen zu fertigen, schnellen Seiten zusammengesetzt werden. Kein Admin-Bereich, den man absichern muss. Keine Datenbank, die man warten muss. Die Inhalte liegen als Dateien vor — versioniert, nachvollziehbar, portabel.
Der Unterschied zeigt sich im Alltag: Statt bei jedem Besuch neu zu rechnen, liegt die Seite fertig bereit. Sie lädt schneller, sie hält Lastspitzen aus, und die Angriffsfläche schrumpft auf das, was wirklich ausgeliefert wird.
Wo ein CMS weiterhin richtig ist
Für Redaktionen mit täglich wechselnden Inhalten bleibt ein klassisches CMS sinnvoll. Wer stündlich publiziert, mit mehreren Autorinnen, Freigabeschritten und einem Archiv aus zehntausend Beiträgen, braucht genau das, wofür WordPress gebaut wurde. Diese Häuser gibt es, und für sie stimmt die Rechnung.
Bei Firmen-Webseiten kippt die Rechnung
Für die große Mehrheit der Firmen-Webseiten, die sich ein paarmal im Jahr ändern, ist der Wasserkopf nicht mehr zu rechtfertigen. Da steht ein System mit Benutzerrollen, Revisionsverwaltung, Kommentarfunktion und Plugin-Verwaltung für eine Seite, an der zweimal jährlich eine Telefonnummer korrigiert wird.
Was von WordPress bleibt
WordPress wird nicht verschwinden. Aber es wird das, was Fax-Geräte lange waren: überall vorhanden, von niemandem mehr gewollt. Für eine neue Webseite hat sich die Frage inzwischen umgedreht. Sie lautet nicht mehr "warum nicht WordPress?", sondern: "Was genau spricht dafür?"